| Archiv Summer School in Clinical Linguistics 2008 "Aphasie im Alltag" |
Summer School 2008 „Aphasie im Alltag“ – vom Monolog zum Dialog Nun veranstaltete der Bundesverband für Klinische Linguistik unter Schirmherrschaft des dbs vom 04. bis 07. September 2008 im wunderschönen Würzburg eine Summer School „Aphasie im Alltag“. Initiatorinnen und Veranstalterinnen waren Bernd Frittrang, Frank Ostermann und Dr. Angelika Bauer. Einige der Fragen:
Knapp vierzig Fachleute u.a. aus den Bereichen Logopädie, Klinische Linguistik, Grundlagenforschung (Gespräch, nonverbale Kommunikation u.a.) hatten sich zusammengefunden, um diese und ähnlich gelagerte Fragen intensiv zu erörtern. Am Nachmittag des Donnerstag, 04.09.08, beschäftigten sich die Tagungsteilnehmer vier Stunden mit basics der Konversationsanalyse. Referent war Martin Hartung vom Institut für deutsche Sprache in Mannheim. Danach veranschaulichte Geli Bauer (Neurologische Klinik Elzach) die Anwendung der Konversationsanalyse in der Aphasiologie. Am Freitagvormittag ging es in mehrstündigen Workshops um die interaktionale Analyse des Ablaufs von Aphasietherapie-Sitzungen (Frank Ostermann, Praxis für Sprachtherapie Dresden) und funktionale / dysfunktionale Kommunikationsstrategien in alltäglichen Gesprächen zwischen aphasischen und nicht-aphasischen Gesprächsteilnehmern (Geli Bauer). Der Freitagnachmittag war der Aufnahme und Diskussion von größeren Vorträgen zur Multimodalität gewidmet: Anja Stukenbrock (Freiburg Institute for Advanced Studies) veranschaulichte die komplexe Multimodalität realer Gespräche, Luise Springer (Lehranstalt für Logopädie der RWTH Aachen) untersuchte Multimodalität in Reparatursequenzen und Katharina Hogrefe (Klinikum München-Bogenhausen) referierte über nonverbale Kommunikation bei Apraxie. Zum Abschluss erläuterte Georg Goldenberg (Klinikum München-Bogenhausen) Defekte dieser Multimodalität unter den Bedingungen neuropsychologischer Syndrome, u.a. anhand von Lokalisationsstudien mit bildgebenden Verfahren. Dominierender Themenkomplex am Samstag war die funktionale Diagnose von Aphasie und ihr Verhältnis zur formalen Diagnostik (Tests, modellorientierte Methoden) einerseits, ihr Verhältnis zur (konversationsanalytischen) Erfassung und Beschreibung von Aphasie im (alltäglichen) Gespräch andererseits. Ernst G. de Langen (Reha-Zentrum Passauer Wolf Bad Griesbach) referierte über Geschichte und Spektrum funktionaler Diagnostik der Aphasie, während Mieke van de Sandt-Koenderman (Aphasia Team, Rijndam Rehabilitation Center und Erasmus MC: Dpt. of Rehabilitation Medicine) den „Scenario Test“ zur multimodalen Diagnose aphasischer kommunikativer Fähigkeiten vorstellte. Die Diskussion wurde von Matthias Moriz (Klinik am Stein Olsberg) und Claus-Jürgen Schlenck (Fachklinik Enzensberg Füssen) geleitet. Am Sonntag stellte Herbert König (Neuropsychologische Praxis König & Müller Würzburg) psychosoziale Auswirkungen aphasischer Probleme auf den Lebensalltag im Einzelfall dar, gefolgt von einem Vortrag von Gabriele Lucius-Hoene (Abt. Rehabilitationspsychologie der Universität Freiburg) über die Bewältigung von Aphasie im Leben von Paaren. Den Abschlussvortrag hielt Prof. Teichmann unterstützt von Christine Eisele (Kommunikations- und Informationszentrum für Aphasiker und Angehörige Kreischa) über Bewältigungsmodelle, die in der Selbsthilfebewegung selbst geschaffen werden. Es sind leane Vortragsschnipsel von 15 Minuten sowie noch magerere Diskussionsstummel, die einem meist auf Tagungen geboten werden – Monologquickies mit fast keinem Dialog danach. Auf dieser Tagung war das anders: Den Referaten standen große Zeitbudgets zur Verfügung, für die Diskussion war ebenfalls reichlich Zeit eingeräumt worden: Slow talk. Hinzu kam, dass die Teilnehmer im Tagungsgebäude – dem „Fränkischen Hof“ – auch logierten. Dadurch konnte ein sehr umfassender und intensiver Austausch erzeugt werden, der eine tiefergehende und detailreichere Diskussion der Probleme ermöglichte. Dass auch die Teilnehmerzahl begrenzt war, trug hierzu (wenn auch nicht entscheidend) bei. Dieses Veranstaltungsformat bewirkte – passend zum Veranstaltungsthema – ein Fortschreiten vom Einfach zum Komplexen, vom Monolog zum Dialog. Literatur |
| Programm |
| Donnerstag, 4.9.08: 13:00 Anreise und Begrüßung 14:00 Einführung in die Konversationsanalyse M. Hartung 18:00 Abendessen 19:00 Konversationsanalyse - ein Instrument für die Aphasietherapie? R. Bongartz 21:00 Get together Freitag, 5.9.08: 9:00 Workshops aphasische Interaktion F. Ostermann, A. Bauer, M. Hartung, R. Bongartz 12:30 Mittagessen 13:30 Multimodalität sprachlicher Interaktion A. Stukenbrock 14:30 Multimodale Verständigungsverfahren bei Aphasie L. Spinger 15:30 Kaffeepause 16:15 Aphasie und Gestik K. Hogrefe 17:15 Multimodalität als Ressource der Adaptation? Konzeptionelle Konsequenzen für die Aphasietherapie? G. Goldenberg 18:00 Abendessen 19:00 Sprachliche Interaktion als Bezugsrahmen / Modell für eine alltags- und partizipationsorientierte Aphasietherapie? A. Bauer 21:00 Get together Samstag, 6.9.08: 9:30 Funktionale Diagnostik E.G. de Langen 10:30 Kaffeepause 11:00 "Scenario-Test" - Assessment of verbal and nonverbal communication abilities in aphasia M. van de Sandt-Koenderman 12:30 Mittagessen 14:00 Diskussion der Vorträge mit den Referenten 15:30 Neurolinguistische Diagnostik, funktionale Diagnostik und Therapieplanung - gibt es eine integrative Perspektive? M. Moritz, K.-J. Schlenck 16:30 Kaffeepause 17:00 Leben mit Aphasie: Teilhabe W. Fries 18:30 Abendessen und Abendprogramm Sonntag, 7.9.08: 9:30 Psychosoziale Folgen von Aphasie H. König 10:30 Bewältigungsstrategien: Coping als Paar G. Lucius-Hoene 11:30 Kaffeepause 12:00 Sprachtherapeuten als Adaptationscoach und Betroffene als Kommunikationsassistenten: Teilhabe im Adaptationsprozess? H. Teichmann 13:00 Abschluss der Summer School 2008 |