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Was ist Klinische Linguistik?


Klinische Linguisten sind akademisch ausgebildete Spezialisten für die Diagnostik und Behandlung von Sprach-, Sprech- und Kommunikationsstörungen bei Erwachsenen und Kindern.
Sie sind in Kliniken und Praxen, in denen erworbene und entwicklungsbedingte Sprachstörungen diagnostiziert und behandelt werden, sowie in Forschung und Lehre tätig.

Die Ausbildung zum/r Klinischen Linguisten/in (BKL)
Der Bundesverband Klinische Linguistik (BKL) fordert für eine Anerkennung von Klinischen Linguisten ein Hochschulstudium im Bereich Linguistik (Sprachwissenschaft) mit dem Studienschwerpunkt Neurolinguistik oder Klinische Linguistik. Das Studium muss interdisziplinär organisiert sein und Inhalte aus der Medizin (Neurologie), Psychologie (Neuropsychologie) und Sprachheilpädagogik integrieren. Darüber hinaus sehen die Ausbildungsrichtlinien des BKL eine umfangreiche klinische Ausbildung vor. Studiengänge der Klinischen Linguistik existieren unter anderem an den Universitäten Potsdam und Bielefeld.

Warum eine akademische Ausbildung?
Die menschliche Sprachfähigkeit basiert auf einem hochkomplexen biologischen System. Die Leistungen des menschlichen Gehirns insgesamt gehören zu den Wundern der Natur, aber die auf der Sprachfähigkeit basierende Möglichkeit, jeden gedanklichen Inhalt mit anderen Menschen auszutauschen, ist einzigartig. Erst auf dem Hintergrund reichhaltigen Wissens über die Funktionsweise des Gehirns und seines kognitiven Systems „Sprache“ ist es möglich, die Pathologie von Sprachstörungen zu beschreiben, zu erklären und Modelle für Diagnostik und Therapie zu entwickeln. Eine akademisch fundierte Ausbildung, die sich sowohl mit der Sprachfähigkeit als solcher als auch mit den möglichen Störungen derselben befasst, ist deshalb ebenso angebracht wie in benachbarten Disziplinen (Neurologie, Neuropsychologie), um die professionelle Umsetzung der Kognitionsforschung für die Behandlung zentral sprachgestörter Patienten zu leisten.

Europa im Vergleich
Im englischen Sprachraum (England, USA) ist die Ausbildung von Sprachtherapeuten seit jeher an Hochschulen organisiert, nämlich in Form eines mindestens vierjährigen interdisziplinären und klinisch orientierten Studiums in Speech and Language Pathology. Die angelsächsiche Ausbildung kann als Vorbild für eine zukünftige europäische Vereinheitlichung sprachtherapeutischer Ausbildungen gelten. Vom BKL anerkannte Klinische Linguisten sind bereits heute entsprechend diesen Standards ausgebildet.