BKL-Workshop Archiv
Workshop Klinische Linguistik 2003
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Abstracts


Sprachentwicklung
Maria Kofler, Martina Hielscher, Kerstin Richter, Dieter Schweppe (Bielefeld/Osnabrück):
Phonetische und Phonologische Aspekte der Evaluation intensiver Dyslalietherapie


Kinder im Vorschulalter mit schweren Beeinträchtigungen der phonetischen und phonologischen Kompetenzen benötigen häufig intensive therapeutische Betreuung, um eine relevante Verbesserung erzielen zu können. Das Konzept der Werscherberger Kli-nik (Bissendorf/Osnabrück) basiert auf einem ganzheitlichen Vorgehen, das motorische, kognitive und sprachliche Aspekte in der Therapie integriert.

Im Rahmen einer Evaluationsstudie an dieser Klinik wurden verschiedene Variablen zur Überprüfung der Leistungsänderung erhoben. Zur Messung des aktiven Lautinventars wurde der Lautprüfbogen (LOGO) von Ilse Wagner verwendet, der als Benenntest, wie auch in Abwandlung der Originalvorgabe als Nachsprechtest durchgeführt wurde. Die auditiven Daten wurden mit akustischen Messungen in Beziehung gesetzt und ein Transfer in die Spontansprache wurde überprüft.
Daneben wurde das Kommunikationsverhalten der Mütter/Begleitpersonen in den freien Spielsituationen (Bilderbuch / Kaufladen) nach pragmatischen Kriterien beurteilt.

Erste Ergebnisse einer Gruppe von 10 Kindern zeigen im Vergleich der prä- und Posttestwerte insgesamt positive Entwicklungen über den Therapiezeitraum von vier Wochen, die sich im Lautprüfbogen manifestieren.
Benennen und Nachsprechleistungen differieren dabei nur unwesentlich. Im Nachsprechen sind die Leistungen insgesamt etwas besser, aber es kommt zum Teil beim Nachsprechen vermehrt zu einer Übergeneralisierung neu erworbener Laute oder Lautverbindungen.
Allerdings zeigen nicht alle Kinder in der auditiven Befunderhebung Fortschritte. Eine detaillierte phonetische Analyse speziell hinsichtlich der Anlage von Konsonantenclustern kann hier wichtige zusätzliche Informationen liefern.

Die Befunde und die Interpretation der LOGO-Ausspracheprüfung werden vor dem Hintergrund verschiedener Sprachproduktionsmodelle diskutiert.

Kontakt:
Dr. Martina Hielscher
Universität Bielefeld
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Postfach 100131
33501 Bielefeld
Tel.: 0521 106 5314
Fax: 0521 106 6992
Martina.Hielscher@Uni-Bielefeld.de