BKL-Workshop Archiv
Workshop Klinische Linguistik 2003
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Abstracts


Sprechmotorik
Ralf Peters (Augsburg/München):
Die Erfassung velopharyngealer Motorik -Vorstellung eines akustischen Verfahrens


Physiologische Nasalität basiert auf einer normalen Funktion des velopharyngealen Sphinkters.
Der velare Mechanismus trägt wesentlich zur Entstehung des Sprechklanges und der Verständlichkeit bei, wobei Nasalität selbst einen schwer zu operationalisierenden Parameter darstellt. Dies ist insbesondere bei der Objektivierung von Nasalität und der dahinterstehenden Gaumensegelmotorik in der Diagnostik und Behandlung von velopharyngealen Insuffizienzen bei Dysarthrien, Gaumensegelparesen und Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten ein Problem. Zumeist ist man auf perzeptive Einschätzung, ungenaue Screeningmethoden (z.B. Hauchspiegelprobe nach Czermak, A-I-Probe nach Gutzmann) oder aufwändige Untersuchungsverfahren (z.B. Röntgen-kinematographie, elektromagnetische Artikulographie) angewiesen.
Mit dem NasalView (Tiger electronics. USA) steht ein kostengünstiges und unkompliziert anzuwendendes Messgerät zur Verfügung, das für diagnostische als auch therapeutische Zwecke entwickelt wurde. Das NasalView operiert mit der sogenannten Nasalanz, einem akustischen Maß für den nasalen Anteil im Sprechklang. Nasalanz wird aus dem Verhältnis von nasalem und oralem Schalldruck ermittelt. Im Vortrag wird eine mit dem NasalView erstmals für das Deutsche durchgeführte Evaluierungstudie vorgestellt. Neben der Erhebung von Kontrolldaten sollte auch die Tauglichkeit des NasalView für den klinischen Bereich geprüft werden. An 60 sprachgesunden deutschen Sprecherinnen und Sprechern wurden Mittelwerte und Streuungen der Nasalanz ermittelt. Im Rahmen der Studie wurde phonetisch kontrolliertes Sprachmaterial entwickelt, das sensitiv auf physiologische und abweichende Gaumensegelmotorik reagiert. Die gewonnenen Daten zeigen eine klare und trennscharfe Verteilung der Nasalanzwerte im Hinblick auf phonetisch kontrolliertes Sprachmaterial (Vokale, nasalfreie und nasalhaltige Testsätze) bei gesunden Sprechern auf. Damit ist eine valide Messung des Parameters Nasalität möglich. Die Streuungen zeigen, dass eine hinreichende Messgenauigkeit erreicht wird, womit Vergleichstests, z.B. im Rahmen von Therapiemaßnahmen möglich sind und hilfreiche diagnostische Daten für weitere therapeutische Entscheidungen gewonnen werden können.

Literatur:
Awan SN (1996) Development of a low-cost nasalance acquisition system. In Powell, TW (Ed.) Pathologies of Speech and Language: Contributions of Clinical Linguistics and Phonetics. New Orleans: International Clinical Phonetics and Linguistics Association, pp 211-17

Kontakt:
ralf-d-peters@gmx.de