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BKL-Workshop Archiv
Workshop Klinische Linguistik 2003
Abstracts

Agrammatismus
Jin-Ae Bae (Bielefeld):
Sprachproduktion bei koreanischen Agrammatikern und Sprachgesunden vor dem Hintergrund der Adaptationstheorie

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Der Agrammatismus ist eine abweichende Satzbildung durch Auslassung und Fehlverwendung von syntaktischen Operationen und lexikosyntaktischen Elementen (Peuser & Winter 2000). Diese morphosyntaktische Beeinträchtigung hat den Agrammatismus ins Blickfeld der Linguistik gerückt.
Die Charakteristika des Agrammatismus sind aber nicht einheitlich. Außerdem ist es noch umstritten, ob Agrammatismus ein "single" Defizit ist. Einige Wissenschaftler halten den Agrammatismus für ein positives Ergebnis infolge der adaptierten kommunikativen Strategie (z.B. Kolk et al. 1985; Kolk & Heeschen 1990; Heeschen & Kolk 1994), wohingegen andere den Agrammatismus als ein patholinguistisches Symptom, das in der Rückbildung der Broca-Aphasie besteht, bezeichnen (z.B. meistens amerikanische Autoren).
Obwohl der Agrammatismus relativ häufig vorkommt, fehlen im koreanisch-sprachigen Raum theoretische und empirisch überprüfte Forschungen. Ausgangspunkt der Arbeit ist die empirische Untersuchung von insgesamt zehn koreanischen Broca-Aphasikern mit expressivem Agrammatismus und zehn entsprechenden Sprachgesunden. Je ein Interview und drei frei erzählte Geschichten (Bildbeschreibung, Bildergeschichte und Märchen-Nacherzählen), wie sie Menn und Obler (1990) als Untersuchungsmaterialien zur Untersuchung mehrerer Sprachen verwendeten, wurden übernommen. Als theoretische Grundlage der in dieser Studie untersuchten agrammatischen Sprache wird die Adaptations-theorie von Kolk und Mitarbeitern verwendet. In der Adaptationstheorie geht es um die Ellipsen als zentralem Merkmal des Agrammatismus. In der vorliegenden Arbeit wird erstmals agrammatische Sprache bei Aphasikern und elliptische Sprache bei Sprachgesunden vergleichen. Dabei wird vor allem berichtet, ob es Gemeinsamkeiten für die Form von agrammatischer Sprache und von Normal-Ellipsen gesunder Sprecher gibt. Die Adaptations-theorie von Kolk und Mitarbeitern besagt, dass agrammatische Patienten in der Spontan-sprache mehr elliptisch sprechen als in elizitierten Aufgaben, und dass die elliptischen Formen bei Agrammatikern überfrequent benutzt werden. Es wird gezeigt, dass das Ergebnis dieser Untersuchung zum Teil eine Evidenz für die Annahme dieser Theorie erbringt.

Literatur
Kolk, H. H. L., van Grunsven, M. J. F. & Keyser, A. (1985). On parallelism between production and comprehension in agrammatism. In M.-L. Kean (Hrsg.), Agrammatism. New York: Academic Press, 165-206.
Kolk, H. H. L. & Heeschen, C. (1990). Adaptation symptoms and impairment symptoms in Broca’s aphasia. Aphasiology, 4(3), 221-231.
Heeschen, C. & Schegloff, E. A. (1999). Agrammatism, adaptation theory, conversation analysis: on the role of so-called telegraphic style in talk-in-interaction. Aphasiology, 13(4), 365-405.



Kontakt:

Jin-Ae Bae
jinaebae@yahoo.co.kr