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BKL-Workshop Archiv
Workshop Klinische Linguistik 2003
Abstracts

Sprachentwicklung
Gerd Schulte-Körne (Marburg):
Neurobiologie und Genetik des gestörten Schriftspracherwerbs

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Die Grundlagenforschung der letzten 20 Jahre hat zu einem wesentlichen besseren Verständnis grundlegender Prozesse der visuellen und akustischen Wahrnehmung und Verarbeitung für den gestörten Schriftspracherwerb beigetragen. Als gestörten Schriftspracherwerb werden die besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und/oder Rechtschreibens bezeichnet. Ca. 5% der deutschen Bevölkerung haben augeprägte Schwierigkeiten in diesen Teilleistungsbereichen.
Anhand von Untersuchungen zu funktionellen Veränderungen kortikaler Hirnarealen bei der Lese-Rechtschreibstörung (LRS) zeigte sich, dass bei phonologischen Verarbeitungsprozessen temporo-parietale Areale der linken Hemisphäre bei den Betroffenen geringer aktiviert sind. Bereits bei der Wahrnehmung und –verarbeitung von einzelnen Lautverbindungen, die nicht aktiv unterschieden werden müssen, zeigen sich Funktionsunterschiede zwischen Kinder und Erwachsenen mit einer Lese-Rechtschreibstörung und Kontrollgruppen.
Die Bedeutung genetischen Faktoren für die LRS wurde in den letzten Jahren eingehend untersucht. Familienuntersuchngen verdeutlichen ein deutlich familiär gehäuftes Auftreten der LRS. Anhand von Zwillingsstudien konnte gezeigt werden, dass der genetische Anteil an dieser komplexen Störung recht hoch, dass aber auch ein nicht geringer Anteil nicht durch genetische Faktoren erklärt werden kann. Auf der Suche nach möglichen störungsrelevanten Genen sind Kandidatengenregionen auf den Chromosomen 1,2,3,6,15 und 18 gefunden worden. Allerdings ist ein Kandidatengen bisher nicht bekannt.


Kontakt:

HD Dr. med. G. Schulte-Körne
Klinikum der Philipps-Universität
Marburg
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
des Kindes- und Jugendalters
Schützenstr. 49
D-35039 Marburg
Tel.: 06421 286 6469
Fax: 06421 286 3078
kjp@med.uni-marburg.de